Leben in Gemeinschaft

selbstbestimmt, ökologisch, spirituell und sozial

Das kurze, leidvolle Leben der Wegwerfkühevon Erica Kalika Blöchlinger

Warum geben Kühe Milch? - Aus demselben Grund wie die Menschen: um ihre Babys zu ernähren. 1951 gab eine Kuh im Jahr durchschnittlich 2600 Liter Milch, 1980 bereits 4548 Liter und 1998 sage und schreibe 5750 Liter - also mehr als doppelt so viel wie vor 40 Jahren. Für die angezüchtete, völlig unnatürliche Milchleistung, die den Kühen tagtäglich abverlangt wird, zahlen die Tiere einen hohen gesundheitlichen Preis. Die dermaßen überzüchteten Tiere sind sehr krankheitsanfällig. So leiden viele Milchkühe an Mastitis, einer Entzündung des Euters. Früher war es durchaus normal, wenn eine Kuh 15 Jahre alt wurde.
Heute werden Kühe durchschnittlich nur noch vier Jahre alt. Da eine Kuh erst nach zwei Aufzuchtjahren ein Kalb zur Welt bringt, geben Kühe heute im Durchschnitt gerade noch etwas mehr als zwei Jahre lang Milch! »Sie werden mehr oder weniger zu Wegwerfkühen.«

«Solange es Schlachthäuser gibt, wird es auch Schlachtfelder geben.» Leo Tolstoi

Weil es längst nicht mehr reicht, die Kuh nur mit Gras und anderen Futterpflanzen zu füttern, bekommt sie jährlich 2 bis 2,8 Tonnen (!) hochkonzentriertes Kraftfutter. Und das soll möglichst billig sein, nicht ohne Grund wurde Rindern früher auch Tiermehl verfüttert. Heute kommt die Turbo-Nahrung vornehmlich aus Übersee.
In der EU längst verbotene Pestizide werden gleich mitimportiert, sowie Dioxin aus verseuchtem Kalk, mit dem in Brasilien Zitrushäcksel getrocknet werden, die auch ins Kraftfutter kommen: »Die Kuh als Realmüllverwerter«.
Eine Kuh gibt natürlich nur Milch, wenn sie ein Kälbchen bekommt. Deshalb werden Milchkühe einmal im Jahr künstlich befruchtet. Weil die Milch für den Menschen bestimmt ist, werden die Kälber, die eigentlich die Milch trinken müssten, kurz nach der Geburt von ihren Müttern getrennt. Die Milchproduktion steht im engen Zusammenhang mit der Fleischindustrie:
Die Kälbchen werden in enge Holzverschläge gesperrt, in denen sie sich kaum bewegen können und auf das optimale Schlachtgewicht gemästet. Statt der Muttermilch bekommen sie eine fette weiße Brühe, die aus Magermilchpulver, Talg, Walfett und viel Salz besteht. Durch die überhöhte Menge Salz müssen die Kälber in Ermangelung von Wasser mehr Milchaustausch-Brei zu sich nehmen und nehmen so schneller zu.
Die Tiere werden künstlich anämisch gehalten, indem ihnen jegliche Aufnahme von Eisen vorenthalten wird, da sonst das Fleisch nicht hell bleibt. Auch Rauhfutter bekommen sie aus diesem Grund nicht zu fressen.
Nach fünf bis sechs Monaten erreichen die Kälber das Schlachtgewicht von ca. 250 kg. Ein normal aufgewachsenes Tier würde die doppelte Zeit dafür benötigen.

„Die Tiere empfinden, wie der Mensch, Freude und Schmerz, Glück und Unglück;

sie werden durch dieselben Gemütsbewegungen betroffen wie wir.“
(Charles Darwin)

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