Leben in Gemeinschaft

spirituell, ökologisch und sozial

Artikel aus Ökostadt 04.2007:   Die Mutter-Erde-Gemeinschaft

Etwa eine Autostunde östlich von Köln treffen wir auf die Landesgrenze Nordrhein- Westfalen und Rheinlandpfalz. Hier endet das Oberbergische Land und der Westerwald beginnt. Eingebettet in eine bewaldete Hügellandschaft befindet sich der kleine Ort Forst mit dem Ortsteil Seifen. Obwohl zu Seifen kaum mehr als 200 Seelen zählen, ist es doch weit über seine Grenzen hinaus bekannt. Denn hier ist die Initiative „Bildung und Mensch e.V." entstanden, die durch ihre Impulse zahllose Menschen beflügelt und ihnen zu einer besseren Lebensqualität verholfen hat. Dieser Verein hat sich die Aufgabe gestellt, zur geistigen Förderung, sowie zum Erhalt menschlicher Grundwerte beizutragen. Die Leiterin des Vereins Sigrid Beckmann-Lamb lernte sehr viel Menschlichkeit und große Humanität durch Reisen zu anderen Völkern und durch Kontakt mit anderen Religionen. „Diese Begegnungen rangen mir großen Respekt ab. Heute bin ich der Meinung, dass wir gar nicht früh genug beginnen können Respekt vor Andersartigem zu entwickeln. Denn nur wenn wir Respekt haben, können wir wertschätzen und nur dann können wir jene Toleranz entwickeln, die wir zu einem konstruktiven und gewaltarmen Miteinander brauchen."

In der alten Efeu bewachsenen, aufwendig restaurierten Seifener-Dorfschule hat der Verein seinen Sitz. Hier hat die Leiterin eine Gemeinschaft geschaffen, die nicht nur allgemeinen Vorbildcharakter hat, sondern heute dringlicher ist denn je. Diese Gemeinschaft umfasst zum einen das generationsübergreifende Zusammenleben von Familien und Einzelpersonen, sowie das über die Grenzen von Nation, Religion und Kultur hinausgehende, umsichtige soziale Miteinander. Zum anderen beinhaltet sie ein ganzheitliches Konzept unter dem Motto: „Bildung von Anfang an". Beginnend beim Waldkindergarten bis hin zur Weiterbildung für Senioren. Sie sucht Menschen, die dieses Projekt erweitern, unterstützen und erleben möchten, aber auch Menschen, die vielleicht während eines Urlaubs hier in Seifen einen ersten Kontakt knüpfen, um den Reiz dieser kleinen Öko-Oase zu spüren.

Hier ist jeder willkommen und vor allem Kinder spielen hier eine sehr große Rolle. Sie werden durch Mitarbeiter und Gäste zwanglos mit einbezogen und sorgen für Lebendigkeit. Die Kinder sind ausgesprochen aufnahmefähig und helfen gerne mit. Deshalb werden sie schon in jungen Jahren an kleine Aufgaben des täglichen Lebens herangeführt.

Sigrid Beckmann-Lamb: „Auf diese Weise lernen sie viele Dinge kennen und erleben auch die Freude der Gemeinschaft. Mit ähnlich positiv gesinnten Menschen etwas aufzubauen ist sehr beglückend. Es erzeugt ein Gefühl von großer innerer Weite und gleichzeitiger Verbundenheit. Denn alles Leben ist Beziehung, Beziehung zu diesem und jenem. Immer stehen wir in Beziehung zu etwas."

So wird auch die gegenseitige Arbeitshilfe verstanden. Wenn eine größere Aktion ansteht, packen alle mit an. Ganz wie früher, wo Nachbarschaftshilfe etwas ganz Normales und Selbstverständliches war. „Beziehungsfähig zu werden bezieht sich nicht nur auf Zweierbeziehungen. Beziehungsfähigkeit umfasst alle Bereiche des Lebens. Die Art wie wir sprechen, wie wir Werkzeug und andere Materie behandeln, wie wir mit uns selbst umgehen. Der Grad unserer Beziehungsfähigkeit kennzeichnet den bewussten Umgang mit allem, was uns umgibt. An diesen Umgang sollten wir unsere Kinder so früh wie möglich heranführen!" hebt Sigrid Beckmann-Lamb hervor. „Einen besseren Weg zum sozialen Frieden planen wir durch ein Bildungs- und Schulungsprojektfür das 3. Jahrtausend, lebensbejahend und ökonomisch - ökologisch stabil. Wir möchten begabten jungen Menschen Orientierung geben und ihr Vertrauen in die Gesellschaft stärken. Wir versuchen ihnen Wege aufzuzeigen, wie sie ihre Fähigkeiten optimal einsetzen können, um daraus echtes Selbstwertgefühl und wirtschaftlichen Erfolg zu schöpfen." Für dieses Projekt wird noch tatkräftigeUnterstützung durch Lehrer und Erzieher gesucht.

Der Garten, eine Oase der Ruhe und Besinnung

Eine kleine, hauseigene Kapelle dient als Ort des Rückzugs, auch für Menschen aus anderen Kulturkreisen, die sich von der Mutter-Erde- Gemeinschaft angezogen fühlen. Von hier aus gelangt man zum Rundbeet, in dem die Setzlinge so angepflanzt werden, dass sich ein perfektes, mehrfarbiges Muster ergibt. Klarheit und Struktur im Denken, im Bewusstsein setzt sich auf diese Weise fort, bis ins physisch Materielle. Ein beabsichtigter Gegensatz zu den oberen Beeten, wo Permakultur betrieben wird und alles durcheinander wachsen darf. Der Garten des Vereins bietet vielen lauschige Ecken, in denen man sich ungestört zurückziehen kann oder wo bei anderer Gelegenheit rege diskutiert wird. Die theoretische Beschäftigung mit Natur und Geisteswissenschaften bei der Mutter-Erde-Gemeinschaft findet ihre praktische Entsprechung in einer schlichten, aber liebevoll gestalteten Grünanlage. Die Hege und Pflege der Anlagen kommt der ganzen Gemeinschaft zu Gute. Hier werden verschiedene Gemüsesorten gepflanzt und natürlich auch geerntet. Dass hier nicht mit Chemikalien gespritzt wird, versteht sich von selber, wenn man das liebevolle Miteinander von Natur und Mensch einmal erleben durfte. Die Natur ist ein einziges Wunder, deshalb liegt den Seifenern der Erhalt der Artenvielfalt am Herzen. Ob es sich hier um die vielen Wildblumen handelt, die hier wachsen und gedeihen, oder um das, was sich an Kleinstlebewesen am und im Boden befindet. Hier ist ein Ort, wo eine gelungene Symbiose zwischen Mensch, Kultur und Natur stattgefunden hat.

Die Mutter-Erde-Gemeinschaft

Die Mutter-Erde-Gemeinschaft ermöglicht auch Menschen in der Lebensmitte, neue Aufgaben zu finden oder sich nach einer eigenen Umbruchsituation wieder neu zu orientieren. Mit getragen wird die Arbeitsweise des „Bildung und Mensch e.V." durch die unterschiedlichsten Techniken der humanistischen und initiatischen Psychologie. Sie vertiefen die emotionale Kompetenz, machen teamfähig, helfen zudem Führungsqualitäten zu entwickeln und realistische Ziele zu setzen. Sie bringt den Mensch wieder in Kontakt mit sich selbst und damit in seine Kraft. Die Kunst des Zusammenlebens wird unterstützt durch eine Verbesserung des Sozialverhaltens. Kurzum, hier wird die Lebensqualität gesteigert und man lässt der Seele Flügel wachsen um Sonne in unser Herz zu bringen. Die Natur ist ein hoch intelligenter, vernetzter Organismus. Alles ist genau aufeinander abgestimmt und diesem sensiblen Gefüge begegnet der Verein „Bildung und Mensch" mit großem Respekt. Das spüren die Menschen, die hierher kommen. Vielleicht besteht darin der Zauber dieses Fleckchens Erde.

Alice Engels

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