Leben in Gemeinschaft

spirituell, ökologisch und sozial

Vortrag zum Erntedankfest

Schon mehrfach bin ich gefragt worden, seit wann die Bienen unsere Erde bevölkern? Die Honigbiene kann auf eine uralte Stammesgeschichte zurückblicken. Vor 110 Millionen Jahren, in der frühen Kreidezeit, weisen Blütenpflanzen Merkmale auf, die auf eine Bestäubung durch Bienen schließen lassen. Älteste Funde fossiler Bienen in Bernstein eingeschlossen wurden im Baltikum und in New Jersey/ USA auf ein Alter von 80 Millionen Jahren datiert. Erste Darstellungen von Honigsammlern als Höhlenzeichnung datieren von 12.000 - 9.000 vor Christus.

Von der Stammesgeschichte der Bienen kommen wir sehr schnell zu der Frage: Welche überlieferten Erzählungen von Biene und Mensch kommen aus der Vorzeit der Völker zu uns herüber? Der sumerische Götterbote Isimund reichte dem ersten Menschen Enki 8 Pflanzen zum Essen, darunter auch das „Honiggewächs" (die Honigwaben) Babylonier opferten den Göttern einen Brei aus Honig, Mehl und Datteln. Für die Seelen der Verstorbenen wurde Honig geopfert. Assyrische Prinzen wurden mittels Honig einbalsamiert. Aus der ägyptischen Mythologie wissen wir folgendes: Das Bienensymbol wurde als Königshieroglyphe mit dem Pharao gleichgesetzt. Pharao Snofru (2.550 v. Chr.) rührte den Königstitel - Herr der Bienen. Honig diente als Opfergabe, Heilmittel, Zahlungsmittel und als Grabbeilage. Die Bienen galten als die lebendig gewordenen Tränen des ägyptischen Sonnengottes Amun - Ra.

Die indische Mythologie erzählt: Die Götter der Morgenröte besprengen die Erde mit Milch und Honig. Gott Krishna war eine Biene geweiht. Dem indischen Totenkult zufolge verlies die Seele den Körper in Form einer Biene. Schauen wir in die griechischen Sagen, in denen der Honig als die Speise der Götter galt. Demeter sprach von der Biene als dem heiligen Tier. Priesterinnen der Göttin Artemis wurden als Melissa! (Bienen) bezeichnet. Die Römer ehrten Mellonia als ihre Bienengöttin. Der römische Dichter Vergil (70 - 19 v. Chr.) misst den Bienen einen Teil der göttlichen Intelligenz bei. Bei den Germanen hören sich die Sagen weiter spannend an: Von der Weltenesche Yggdrasil tropfte der Honig als Tau und wurde als Gabe der Götter angesehen. Der Gottvater Odin verdankte seine Unsterblichkeit, Kraft und Weisheit dem Honig. In Gegenwart der heiligen Bienen durfte nicht gekämpft werden. In einem fränkischen Königsgrab entdeckte man 300 goldene Bienen als Grabbeigaben.

Soweit, einige wenige Geschichten alter Vorfahren. Was uns möglicherweise noch mehr interessiert, ist die Stellung der Biene in unserer christlichen Tradition. Hierzu einige Beispiele:

Der König von Assyrien sagte:" So soll Jedermann von seinem Weinstock trinken, von seinem Feigenbaum essen und von seinem Brunnen trinken, bis ich komme und euch hole in ein Land das eurem Lande gleich ist, darin Köm, Most, Brot, Weinberge, Ölberge und Honig sind; so werdet ihr leben und nicht sterben." (2. Buch Könige 18,32) Psalm 19, Vers l: „Honig genießt höhere Achtung als Gold.“ Psalm 81, 17: „Ich würde sie mit dem besten Weizen speisen und mit Honig aus dem Felsen sättigen.“ Sprüche 24,13: „Iß mein Sohn Honig, denn er ist gut. Honig ist gut in deinem Hals.“ Aus dem Buch Sirach: „Du sollst niemand rühmen um seines großen Ansehens willen, noch jemand verachten um seines geringen Ansehens willen. Denn die Biene ist ein kleines Vögelein und gibt doch die allerbeste Frucht.“ Aus dem Hohelied Salomon 4, l „Wie Honig ist dein Mund, mein Schatz, wenn du mich küsst, und unter deiner Zunge ist süße Honigmilch. Die Kleider, die du trägst, sie duften wie der Wald hoch auf dem Libanon.“ Eine Legende erzählt, dass die Biene beim Auszug aus dem Paradies einen besonderen Segen erhielt. Sie wurde ein Symbol der Reinheit und Keuschheit (Moses 6, 7). Matthäus (3, 4) berichtet, dass sich Johannes der Täufer während seiner Fastenzeit in der Wüste nur von Heuschrecken und wildem Honig ernährte. Gleich zwei Schutzheilige sind für die Bienen, Imker und Wachszieher auserkoren.

Der heilige Ambrosius.

Wie eine Legende erzählt, flog ein Schwärm Bienen daher, als der kleine Ambrosius in der Wiege lag und schlief. Die Bienen ließen sich auf seinem Gesicht nieder und drangen sogar in seinen Mund ein, ganz so, als handle es sich um einen Bienenstock- ohne dem Kind etwas zuleide zu tun. Noch bevor die erschreckten Eltern den summenden Schwärm vertreiben konnten, flogen die Bienen wieder fort. Der Vater deutete dieses Geschehnis als Zeichen dafür, dass aus dem Kind ein bedeutender Mann werden würde. Ambrosius wurde ein beliebter Bischof. Der Bienenkorb mit dem er oft dargestellt wird, symbolisiert Fleiß und Gelehrsamkeit. Er war ein hervorragender Redner und beschäftigte sich auch mit Dichtung und Musik. So gestaltete er die Liturgie neu und führte auch den Kirchengesang ein. So wird ihm auch das „Großer Gott wir loben dich" zugeschrieben. Ambrosius ist neben Hyronimus, Papst Gregor und Augustinus einer der vier großen Kirchenväter. Sein Gedenktag ist der 7. Dezember, der Tag an dem er 374 n. Chr. zum Bischof geweiht wurde.

Der Heilige Bernhard v. Clairvaux (1091- 1153)

Er wurde wegen seiner außergewöhnlichen Redegabe mit einem Bienenkorb dargestellt und „Doctor Mellifluus", honigfließender Lehrer genannt. Clairvaux war Gründer und Abt des dortigen Zisterzienserklosters und vermittelte seinen Brüdern, daß die körperliche Arbeit ebenso wie die geistige Arbeit Gottesdienst ist.

Auch unsere Bienenvölker in Seifen haben eine besondere Schutzpatronin: Sigrid Beckmann-Lamb. Schließlich war sie es, die den Bienen hier ein natürliches Zuhause ermöglichte und ihnen von Anfang an zur Seite stand. Sie selber verkörpert die Werte eines Bienenvolkes:

Fleiß als Garant für das Gelingen, Ordnung, Organisation, Selbstregulation eines Gleichgewichtszustandes, Sauberkeit und Hygiene, Zuverlässigkeit, Herzenssüße, Strukturierung und straffe Lebensführung, hohe Intelligenz, zauberhafte Schönheit, Milde und Erbarmen sowie entschiedenes Handeln. Wie ein gesamtes Bienenvolk ist unsere Schutzheilige selbst ein wunderschöner Superorganismus! Mögen die Bienen und Ihre Schutzheiligen noch lange leben zum Wohl der gesamten Schöpfung!

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